Gefühl und Emotion

04.03.2019

Im Umgangssprachlichen wird Gefühl, Emotion und häufig auch Affekt synonym verwendet. Dies führt zu Unklarheit und Verwechslungen. Ich fühle mich gut oder schlecht ist eine sehr unklare Aussage, die dem Empfänger viel Raum für Spekulation und Interpretation lässt. Auch wir selbst fühlen uns mit dieser Aussage diffus.

Eine schöne Beschreibung und Differenzierung habe ich in dem unten genannten Buch von Amana Virani gefunden. Dies ist eine Möglichkeit der Sichtweise, sicherlich nicht die einzige, aber vielleicht bringt sie für uns selbst mehr Klarheit.

Definitionen

Gefühl ist eines unserer Empfindungen. Wir können zwischen fünf Empfindungen unterscheiden

Körperliche Empfindungen

Riechen, Schmecken, Sehen, Tasten und Hören sind unsere körperlichen Empfindungen. Körperlicher Schmerz gehört auch dazu.

Triebe, Instinkt

Dies sind biologische Gegebenheiten, die zu unserem Überleben und zum Fortbestehen der Menschheit notwendig sind. Hierzu zählen: Hunger, Durst, sexuelle Erregung, Eifersucht, Gier, Neid, Muttergefühle, Verliebtheit, biologische Angst und Aggression.

Reine Gefühle

Dies sind Kräfte, die sich nach den Trieben entwickelten. Es gibt fünf Urkräfte: Wut, Angst, Trauer, Freude und Scham. Diese Kräfte sind im sozialen Kontakt notwendig und wir können lernen mit diesen Kräften umzugehen.

Emotionen

Emotionen können als aufgestaute Gefühle definiert werden. Sie können sowohl rein, als auch als Gefühlsmischungen auftreten. Bei einer Trennung kann sich Wut mit Trauer und sogar mit Freude mischen. Dieses diffuse Bild spiegelt sich natürlich in unserem Inneren wieder und hinterlässt einen diffusen Gemütszustand.

Fähigkeiten

Fähigkeiten wie Liebe, Mitgefühl, Hingabe, Annahme und Vertrauen können wir lernen und kultivieren.

Fünf Grundgefühle

Häufig spricht man von vier aber oft von fünf Grundgefühlen. Wut, Trauer, Angst und Freude sind die ersten vier, als fünftes kommt noch die Scham hinzu.

Die ersten vier Gefühle sind nach außen gerichtet. Scham unterscheidet sich von den ersten Vieren, dadurch, dass es nach innen gerichtet ist.

Das Gefühl als Kraft

Jedes Gefühl ist eine Kraft. Es ist eine Grund oder Urkraft, die uns am Leben erhält, bzw. unser Leben lebenswert macht. Über diese Kraft stellen wir Kontakt her. Deshalb ist es auch widersinnig zu behaupten, dass Gefühle unserem klaren Denken und Handeln im Wege stehen. Gefühle sind eine Kraft die uns bewegt, durch die wir unsere Interessen spüren und durchsetzten können. Durch Gefühle fühlen wir uns lebendig.

Am deutlichsten ist dies vielleicht an der Wut zu erkennen, die wir, da sie uns so gefährlich erscheint ja oft unterdrücken. D.h., dass das, was wir als Gefühl wahrnehmen, eine Kraft in eine bestimmte Richtung ist.

In den nächsten Blogs werde ich die Entstehung der Gefühle behandeln und mich mit den fünf Grundgefühlen beschäftigen. In welche Richtung geht ihre Kraft? Welches ist ihre positive und welches ihre negative Richtung?

Zum Weiterlesen

Amana Virani, Gefühle Eine Gebrauchsanweisung, 2007, München